Der Kaiser von Atlantis oder: Der Tod dankt ab

Oper von Viktor Ullmann und Peter Kien

Leider Abgesagt!

Handlung:

Irgendwo, zu jeder Zeit.
Harlekin, der das Leben verkörpert, und der Tod fühlen sich angesichts des von Kaiser Overall befohlenen totalen Kriegs nutzlos und verhöhnt; der Tod verweigert sich, niemand kann mehr sterben - Kaiser Overall sieht sich nach der Verweigerung des Todes in seiner Macht eingeschränkt. Er preist jedoch das „Nicht-Sterben-Können“ als Geheimmittel zum ewigen Leben und fordert den Kampfeswillen seines Volks noch mehr.
Jeder kämpft gegen jeden; in diesem nun wirklich totalen Krieg wird ein Soldat von einem Mädchen in Uniform angeschossen. Im Gesicht des „Feindes“ entdeckt der Soldat vergessene menschliche Eigenschaften: Mitleid und Liebe. Doch all dies bleibt Utopie. Der Krieg geht weiter.
Jede menschliche Ordnung ist zusammengebrochen, da auch Exekutionen, wichtigstes Machtmittel der Herrschenden, aufgrund der Verweigerung des Todes nichts nützen. Die desolaten Massen versuchen den Umsturz herbeizuführen.
Der Tod ist bereit, die Menschen in Würde sterben zu lassen, wenn der Kaiser sich als erster bereitfinden würde. Dieser ergibt sich widerwillig.

(Harenberg Opernführer, Dortmund 1999, S. 881)

Viktor Ullmann:

Viktor Ullmann, geboren 1898 im damals österreichischen Teschen in der Nähe von Prag, gehört zu jenen Komponisten, die von den Nazis gleichsam zweimal ermordet wurden: nicht nur, dass er 1944 in Auschwitz umgebracht wurde, auch die Erinnerung an seine Werke wurde ausgelöscht. Erst die Uraufführung der Oper „Der Kaiser von Atlantis“ 1975 in Amsterdam machte den Komponisten und sein Schicksal wieder einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Ullmann war für einige Semester Kompositionsschüler Schönbergs in Wien. Von 1921 bis 1927 war er Kapellmeister aam Neuen Deutschen Theater in Prag, 1929-1931 als Kapellmeister und Komponist am Züricher Schauspielhaus. Später kehrte er nach Prag zurück, wo er sich als Privatlehrer und Musikkritiker durchschlug.

Die Oper „Der Kaiser von Atlantis oder der Tod dankt ab“ entstand im Winter 1943/44 im „Musterlager“ Terezín (Theresienstadt), wo Ullmann seit September 1942 „Direktor für musikalische Freizeitgestaltung“ war. Terezín war sowohl Durchgangslager als auch das „Vorzeigeghetto“ der Nazis zur Beschwichtigung internationaler Beobachter. Besonders das Vorbereiten und Abhalten kultureller Veranstaltungen wurde ausdrücklich ermutigt, und Inhaftierte, die zu Konzerten, Theateraufführungen oder Vorlesungsreihen beitrugen, waren von der sonst in Lagern üblichen körperlichen Arbeit befreit.
In dem erhaltenen Protokoll einer Besprechung vom 3. März 1944 ist bereits von Proben und der projektierten Aufführung des Kaisers von Atlantis die Rede. Der Regisseur und Sänger Karel Berman berichtet in seinen Erinnerungen, dass das Werk dann aber vor der ersten Aufführung verboten worden sei. Die Gründe dafür sind allerdings unbekannt.

Viktor Ullmann wurde wie fast das gesamte Ensemble am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und zwei Tage später ermordet. Seine Manuskripte blieben erhalten; er hat sie vorher einem Freund übergeben, der überlebte - darunter auch das Autograph der Oper. Der Text stammt von Peter Kien (1919 geboren, ebenfalls 1944 in Auschwitz ermordet), der in Theresienstadt vor allem als Zeichner und Grafiker tätig war und auch dichtete.

Besetzung:

  • Soldatin (Sopran)                  Eva Kumpfmüller
  • Der Trommler (Alt)                 Monika Waeckerle
  • Harlekin (Tenor)                     Bernhard Berchtold
  • Soldat (Tenor)                        Sebastian Fuchsberger
  • Kaiser (Bariton)                      Ludovic Kendi
  • Lautsprecher (Bassbar.)       Werner Bind
  • Der Tod (Bass)                      Andre Schuen

Junge Philharmonie Salzburg
Elisabeth Fuchs - Künstlerische Leitung

Aufführungen:

Dauer: ca. 65 Minuten
Aufführung halbszenisch, in deutscher Sprache

MUSICA ET SALTATORIA:

Das Ensemble MUSICA ET SALTATORIA erweckt den Tanz vergangener Zeiten zu neuem Leben.

Die Gründung des Ensembles steht in engem Zusammenhang mit den DERRA DE MORODA DANCE ARCHIVES, einer Tanzsammlung von internationalem Rang, die sich seit 1978 am Institut für Musikwissenschaft der Universität Salzburg befindet.

In der Rekonstruktion historischer Gesellschaftstänze nach Originalquellen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert verbindet MUSICA ET SALTATORIA wissenschaftlich fundierte Tanzforschung mit lebendiger Aufführungspraxis. Tänzer und Musiker, Schauspieler und Sänger bringen in verschiedenen Programmen Stil und Lebensgefühl einer Epoche zum Ausdruck.

www.saltatoria.at

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